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Dienstag, 3. Februar 2009

Such das mal schnell im Internet!

Diese Aufgabenstellung bekommen SchülerInnen oft in ihrem Unterricht. Doch können sie dieses Medium wirklich nutzen?

Fakt ist, dass sie sich zum Teil besser damit auskennen als unterrichtende LehrerInnen. Das birgt eigene Gefahren, auf die ich später zu sprechen komme. Doch aus meiner Erfahrung heraus als Informatiklehrerin, ist das Internet eine große Unbekannte für Kinder. Dabei meine ich nicht, dass sie nicht wissen, wie es technisch aufgebaut ist, sondern dass sie nicht mit den Datenmengen umgehen können. Googlen die Kinder nach Wissensgebieten, finden sie meist als ersten Eintrag Wikipedia. Diese Plattform ist alleine auf Grund der verwendeten Sprache zumindest für Unterstufen nicht geeignet. Meist verwirren solche Suchen - ohne entsprechender Vorbereitung - mehr, als sie aufklären. 

Das Googeln hat auch noch den Nachteil, dass der Lehrer/die Lehrerin nicht weiß, auf welche Links die Kinder stoßen. Ein Beispiel aus Geografie - "Sucht nach Ukraine": Der ungeübte Internetsucher denkt, dass die ersten Einträge die besten sind, weiß aber nicht, dass die in dem gelben Balken oberhalb der Ergebnisse Werbung ist. Klickt ein Kind auf diese Einträge bei der Suche nach Ukraine, wird der Unterrichtende Aufklärungsarbeit leisten müssen, da hier für ukrainische Frauen geworben wird.

Privat wird das Internet von Kindern zwar genutzt, doch nicht in Forschender hinsicht, sondern für der Vergnügen. Aber leider meist in einer Weise, die Gefahren für sie birgt. Zum Beispiel Netlog - ein SocialNetwork, das vor allem von Jugendlichen zu Selbstdarstellungszwecken genutzt wird - sammeln die Kinder Freundschaften, wie andere Briefmarken. Freundschaften werden von Menschen akzeptiert, die man nicht persönlich kennt. Bereitwillig stellen sie ihre persönlichen Daten ins Netz, ohne sich der Gefahren bewusst zu sein. Außerdem dokumentieren Minderjährige zum Teil auch ihre Straftaten z.B. durch Fotos ihres letzten Trinkgelagers. Sie glauben, dass die Bilder, sobald sie gelöscht sind, für immer verschwinden. Doch das Internet vergisst nichts. Jeder Eintrag wird in Archiven gespeichert. 

So, was sind meiner Meinung nach die Aufgaben von Schule in dem Bereich:
  • Eine umfassende rechtliche Aufklärung, womit mache ich mich in meinem Alter strafbar.
  • Wie stelle ich mich im Internet dar und welche Konsequenzen könnten sich daraus ergeben. Hier ist einiges an Material: http://www.schuelervz.net/l/parents/5/
  • Jeder sollte - auch die Lehrenden - in regelmäßigen Abständen seine Internetpräsenz überprüfen. Das macht man am besten, indem man seinen Namen googlet.
  • Internetsuchen sollten vor allem zu Beginn von LehrerInnen eingeschränkt, bzw vom Unterrichtenden zuvor durchgeführt werden. In einer Unterrichtseinheit haben die Kinder nicht die Zeit sich durch abertausende mehr und oft weniger sinnvolle Einträge durchzuarbeiten.  Außerdem wissen sie nicht, was für sie geeigent ist.
  • In mehreren Unterrichtseinheiten solten folgende Fragen geklärt und geübt werden: Wie suche ich im Internet gezielt? Wie setze ich Suchbegriffe ein? Wie grenze ich meine Suche ein? Welche Seiten bieten gute Inhalte?
  • Arbeits- und Lernziele im Kollegium besprechen und gemeinsame Schritte planen. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass das eh der eine Lehrer im Informatik Unterricht einmal gesagt hat. Es geht um ein ständiges Anwenden.
  • LehrerInnen müssen Internettauglicher werden. Man kann nur Techniken von Kindern verlangen, was man selbst beherrscht.
Der letzte Punkt liegt mir besonders am Herzen. Kinder nutzen das Unwissen des Lehrenden aus. Der Lehrer muss lernen, mit einem Blick auf den Monitor zu erkennen, ob das Kind überhaupt an dem arbeitet, was aufgetragen wurde. Man bringt sich selbst in Schwierigkeiten, wenn Kinder anderen erzählen, dass sie während seines Unterrichts nur gechattet oder sonstwas gemacht hat. Ist man sich nicht sicher, ob man was gesehen hat, weil der Schüler das Fenster zu schnell weggeklickt hat, kann man im Verlauf nachvollziehen, welche Seite an welchem Tag aufgerufen wurde.

Ein weiteres Problem, das viele LehrerInnen mit dem Internet haben, ist das sie nicht wissen, ob ein Schüler oder eine Schülerin ihre schriftliche Arbeit nicht nur einfach aus dem Internet kopiert hat. Das Problem ist leicht gelöst. Sucht man nach einem Satz der Arbeit, den man unter Anführungszeichen setzt, in einer Suchmaschine, so erhält man die Seite als Suchergebnis, wenn es nicht die eigene Arbeit war.

Ich möchte hier nicht den Anschein erwecken, dass Internet ein schlechtes Medium sei und dass man es nicht im Unterricht nutzen sollte, doch genau, wie der Lehrer/die Lehrerin sich zuvor einen Film ansieht, bevor er/sie diesen im Unterricht einsetzt, sollte auch das Suchen im Internet zuvor überprüfen und am Besten mit ausgesuchten Links einsetzen.

Sonntag, 18. Januar 2009

Noten für Individuen

Ich unterrichte heuer eine 2.Klasse (6.Schulstufe) in Geschichte. Ich  habe ich ein Notensystem eingeführt, das ich bereits in einer 4.Klasse (8.Schulstufe) getestet habe, das auf Punkten basiert, und die Möglichkeit bietet, individuell, aber gerecht und durchschaubar zu beurteilen. Pro Semester müssen die Lernenden 12 Punkte im Wissen und 12 Punkte in der Mitarbeit sammeln (in 2 Spalten einer Tablle dargestellt). Sie brauchen mindestens 6 Punkte pro Spalte, damit sie positiv beurteilt werden können. 

Diese Bögen haben nur die Kinder, da ich möchte, dass sie die Verantwortung über ihre Note übernehmen. In regelmäßigen Abständen übertragen sie ihre Punkte ins Mitteilungsheft, damit zum einen die Eltern über den Stand ihres Kindes Bescheid wissen, und zum anderen, damit man die Punkte nachtragen kann, falls es doch passiert, dass der Bogen verloren geht.

Weiters haben die Kinder ein Infoblatt erhalten, was sie tun können, um zu ihren Punkten zu kommen, und wie viele es sein können. Punkte für die Mitarbeit erhalten die Kinder durch sinnerfassendes Fragen und Antworten, aber auch Neugier im Unterricht wird belohnt. Weiters können sie auch durch Hausübungen sammeln, indem sie z.B. ein Buch zum Thema zu Hause finden und es mitbringen (1P). Stellen sie es dann auch noch vor, kann man je nach Aufwand mehr Punkte geben. Sie könnten aber auch Interviews mit Zeitzeugen oder Spezialisten führen, ein Museum besuchen, ein Bild malen, etc.

Für Wissenspunkte können die Kinder an gemeinsamen Tests teilnehmen, aber sich auch individuell zu mündlichen Prüfungen melden. Dabei unterscheide ich nicht nur den Umfang des Lernstoffs (können auch 2 Seiten - 4 Fragen werden gestellt -, ein Kapitel - 8 Fragen - oder der Semesterstoff - 12 Fragen - sein), sondern auch, ob sie Fragen vorbereitet haben, oder ob ich die Fragen willkürlich stellen darf. 

Bei letzterem ist das Punktezählen einfach: jede richtige Antwort ist ein Punkt. Stellen sie die Fragen (Mathephobier jetzt weglesen ;) ), müssen sie die doppelte Anzahl an Fragen, als gestellt werden finden. Dann überprüfe ich die Sinnhaftigkeit, Schwierigkeit und Richtigkeit der Fragen und Antworten, die sie auf Karteikärtchen abgeben. Auch das verdient Punkte: alle guten Fragen durch 4, hervorragende können natürlch auch mehr wert sein. Dann ziehe ich die Fragen aus dem Stapel. Die richtig beantworteten Fragen sind jeweils ein halber Punkt wert. 

Als Mathematikerin hab ich da sogar eine Formel:  P=F/4+A/2
Ein Beispiel: Ein Kind meldet sich zu einer Kapitelüberprüfung (8 gestellte Fragen) mit eigenen Fragen. Es erstellt 16 Karteikärtchen, davon sind 14 gut. --> 14/4= 3,5P (ich würde bei 3,75 auf- und bei 3,25 abrunden). Dann ziehe ich aus den guten Fragen 8 Stück und stelle sie. Davon beantwortet es 7 richtig. --> 7/2=3,5P. So hat sich das Kind insgesamt 7 Punkte erarbeitet. Kommt mir ein Gesamtergebnis mit Halben heraus, kann man die Viertelpunkte noch einberechnen, oder eine weitere Frage stellen, die man z.B. selbst wählt.

Andere Wissenspunkte können die Kinder durch die Arbeit an einem Portfolio, einem Referat, oder durch die Teilnahme an Aktionen in der Klasse (z.B. Ägyptenfest - 2P Mitarbeit, 2P Wissen) erhalten.

Dadurch, dass ich die Kinder in dieses System mit diesem Schuljahr einführe, hatte ich am Anfang nur wenige Punkte zu verteilen, da ihnen ihre Möglichkeiten noch nicht so geläufig sind. Darum habe ich, da sich diese Gruppe als sehr interessiert in der Zeitgeschichte gezeigt hat, die Kinder einen Wochenbericht mit Plakat im Team machen lassen. Die Aufteilung, wie die Punkte verteilt wurden (2P für die Auswahl der Artikel mit ihrer geschichtlichen Relevanz, 1P für das Plakat, 2P für die Vorstellung), war den Kindern bekannt, und bald konnten die Zuhörer beurteilen.

Wichtig bei diesem System ist es, dass die Kinder wissen, dass sie keine Punkte verlieren können. Sie können nur (manche weniger) Punkte bekommen. Die Kinder sehen immer ihren persönlichen Stand und das Notengeben wird durchschaubar. Am Anfang muss man den Kindern Möglichkeiten zeigen, wie sie sammeln können, einigen wenigen bis zum Schluss. Aber der Großteil schafft dadurch den Sprung zur Eigenverantwortung und sie sind unheimlich stolz und motiviert, wenn man vor Weihnachten bereits ein "Sehr gut" bei der Note für das Semester lesen kann.

Ist das der Fall, bitte ich sie, dass sie jetzt den anderen SchülerInnen, die noch nicht soweit sind, Vortritt zu lassen. Wollen sie Referate halten, vertröste ich sie auf das 2.Semester. Leisten sie aber dennoch etwas, z.B. in der Mitarbeit, lasse ich die Punkte nicht unter den Tisch fallen, sondern schreibe diese in das 2.Semester. Sammelt einer im 2.Semester über das hinaus, was gefordert wird, bekommt das Kind eine Urkunde und ein Geschenk - z.B. ein Museumsbesuch - von mir.

Dieses System ist höchst motivierend und individualisierend. Falls es jemand testen möchte, würde ich mich freuen. Natürlich ist ein Anpassen auf den eigenen Unterricht auch möglich.

Ich als Lehrer

Ich bin Lehrerin an einer Hauptschule (Alter: 10-14) in der Nähe von Wien. In meiner Schule passieren seit Jahren viele Veränderungen, die über das Jammern, wie furchtbar die Kinder von heute sind, hinausgehen. Jetzt wagen wir den Schritt zum Niederösterreichischen Schulmodell (http://www.lsr-noe.gv.at/aktuelles/n-schulmodell.html). Ich versuche nun in diesem Blog, zum einen den Ist-Stand, zum anderen unsere Entwicklung, aber auch meine eigenen Ideen zum Unterrichten und meine Etwicklung zu dokumentieren.

Zu meiner Person kann ich sagen, dass ich, da ich in einer Hauptschule unterrichte, mehr als nur meine geprüften Fächer (Mathematik, Bildnerische Erziehung) unterrichten darf. Aber in meiner 10-jährigen Tätigkeit kann ich nun behaupten fast alle Fächer zumindest ausprobiert zu haben. Was ich daran spannend finde ist, dass jedes neue Fach ein neues Spektrum an neuen Unterrichtsmethoden und Ideen, Ansätze,... eröffnet. Weiters ist mein Unterricht von offenen, selbstverantwortlichen Lernmethoden geprägt. Forschen, Erleben, aber auch Kind gerechtes wissenschaftliches Arbeiten sind Kern meines Unterrichtens. Ich bin weiters in einigen Projekten tätig: Comenius - "Wide Horizons" und net-1 - "Neue Wege zur Lesekompetenz".

Unsere Schule hat mehrere Schwerpunkte, bzw. Besonderheiten: 
  • Englisch - "Englisch als Arbeitssprache" mit Native Speaker in allen Klassen mit 3-4 Stunden in den Nebengegenständen im Team Teaching, "English Playing" 1 Stunde in den 1.Klassen, "English Conversation" in den Seminaren der 4.Klassen
  • Sozial - "Sozialkreatives Lernen" in allen Klassen 1 Stunde m Team Teaching
  • Informatik - Unverbindliche Übungen für 1. und 2.Klassen, Bürotechnik in der 2.Klasse, Pflichtfach Informatik in der 3.Klasse, Seminare nach Bedürfnis in der 4.Klasse (EDV, Informatik, Webdesign werden regelmäßig angeboten)
  • Lernfelder - ein Lehrer unterrichtet in einer Klasse zwei Fächer - z.B. ME/BE, BU/GW, GW/GS - in drei Stunden
  • Seminare - 4.Klassen geben an, welche Fächer sie für die weiterführenden Schulen oder Lehren brauchen könnten. Wir stimmen dann unser Können mit den Wünschen ab und erstellen 2 Semianrblöcke, aus denen die SchülerInnen wählen können.
Unsere Schule hat 10 Klassen - Tendenz steigend. Wir unterrichten sowohl hoch- als auch niedrigbegabte, brave und schlimme, behütete und vernachlässigte SchülerInnen. Kurz: wir unterrichten normale Kinder. Wichtig für uns ist , dass sich die Kinder wohlfühlen und gerne in die Schule kommen. Allerdings sind wir konsequent, wenn es um die Einhaltung unserer Regeln geht. Wir versuchen aber die Konsequenzen auf den einzelnen Schüler oder Schülerin anzupassen. 

Das Lehrerteam besteht aus ca. 20 LehrerInnen, jeder mit seiner individuellen Ansicht auf das Unterrichten. Diese Mischung bringt unseren Kindern viel, da sie die unterschiedlichsten Lehrertypen kennenlernen. Wir haben viel Mitspracherecht, was z.B. unsere Fächer betrifft. Die Direktion unterstützt neue Ideen und Ansätze und schreckt auch nicht davor zurück, erst Schulstufen und in Folge die ganze Schule danach umzustellen, wenn sie erfolgreich war. Unsere Direktorin ist aktiv an der Schulentwicklung beteiligt, sehr kompetent in den Rückmeldungen und wertschätzend dem arbeitenden Lehrer gegenüber. Sie selbst ist ein Arbeitstier, das entweder bis in die Nacht an der arbeitet, oder in Österreich unterwegs ist, um an Kurse teilzunehmen oder diese zu geben.

So, das ist ein grober Umriss meiner Arbeitsumgebung. Ich unterrichte unglaublich gerne und hoffe, andere mit diesem Blog in ihren Ideen zu bestätigen oder ihnen welche zu bieten. Ich bin von meiner Art des Unterrichtens überzeugt, denn ich weiß, welchen Frust  ich in meinen ersten Dienstjahren aufgebaut habe, weil ich die Kinder nicht so unterrichten konnte, wie ich es damals gelernt habe.